Wenn man den Text verstehen will, wird man mit sehr weisen Lyrics konfrontiert, wie ich finde.
Die Toten Hosen – Auswärtsspiel
Hooligans sind wie linke Autonome, die ihre Energie verschwenden, indem sie Steine werfen und dabei teilweise Unbeteiligte verletzen. Genauso verhält es sich bei Fußballspielen weltweit. Also, sich einfach mal die Hosen geben und sich den Text zu Herzen nehmen:
Ich habe in den letzten 2 Jahren unglaublich viele Menschen kennengelernt, welche durch diese Gesellschaft krank geworden sind.
Sei es der Leistungsdruck, die Unehrlichkeit, gepaart mit dem Egoismus vieler Menschen oder der falsche, zu emotionale Umgang mit Todesfällen bzw. Schicksalsschlägen.
Um nur ein paar anonyme Beispiele zu nennen:
Ein sehr intelligenter, dünnhäutiger junger Mann schreibt seine Abschlussarbeit bei den Vereinten Nationen, setzt sich seine Ziele zu hoch, gibt die Arbeit nicht ab und wird durch weitere Schicksalsschläge ein halbes Jahr durch schwere Depressionen außer Gefecht gesetzt.
Ein homosexuelles, weibliches Paar ist mit Anfang 40 pensioniert. Die eine hat die Welt beruflich bereist, die andere hat einen IQ von über 130. Sie können ein gutes Leben führen, da sie immernoch unter, gott sei Dank leichter, Medikation stehen
Ein junger Mann setzt sich in seinem sehr technischen Studiengang den Anspruch, immer der beste zu sein. Der Erfolg gibt ihm Recht, wird jedoch zu seinem Verhängnis. Er schafft es nicht mehr, er läuft unter seiner selbst gesetzten Messlatte hindurch. Mitten rein in eine Psychose. Er schließt sich ein und kommt nach einigen Tagen der Reflexion zur Erklärung der Welt: Es gibt Ober- und Untermenschen, wobei erstere letztere erkennen können, letztere erstere jedoch nicht. Er selbst kommt schließlich zum für ihn logischen Schluss, dass er ein Obermensch ist. Damit nicht genug, er ist Gott. Das stellt er fest, als er sich nackt vor dem Spiegel betrachtet. Nach einer lebensgefährlichen Falschdiagnose durch einen unfähigen Psychotherapeuten (Neurose diagnostiziert), geht er schließlich in die Klinik. Nun ist er nahezu genesen, arbeitet als Aushilfe in einem Mediamarkt, wohnt wieder bei seiner Mutter und beginnt demnächst eine Ausbildung.
Ein junger Mann hat sehr hohe moralische sowie ethische Ansprüche, denen er selbst ständig hinterherläuft. Er möchte keineswegs nach der Bergpredigt leben, er ist lediglich jene die Gesellschaft zerfressende Doppelmoral leid, welche Familienväter ins Bordell gehen lässt, um anschließend zu behaupten, man hätte länger gearbeitet. Seine Ansprüche an ihn selbst führten dazu, dass er bereits während des Studiums nahezu ständig mehrere Projekte gleichzeitig fährt und nebenbei noch Geld durch relativ stupide Promotion-Jobs verdient. Dann lernt er eine Frau kennen, welche versucht, ihn aufs Übelste einzuschränken, indem sie ihm unter anderem nicht ins Ausland gehen lassen will unter dem Vorwand, dass sie sich während dieses Aufenthalts einen neuen Typen anlachen würde. Er geht ins Ausland, lernt sehr interessante Menschen aus aller Welt kennen und betrügt sie schließlich mit einer PhD-Studentin. Das passt nicht in sein Weltbild. Er rettet sich an eben diesem Abend für den Moment, indem er meint, Peace zu rauchen und merkt nicht, dass es sich eigentlich um Crack handelt. Er kommt mittags in seine Wohnung und ist vollkommen fertig mit der Welt. Er geht zur Arbeit und kriegt nichts mehr gebacken. Er hatte Arbeit geleistet, welche bis zu 1200 Euro pro Tag wert war und hat mittlerweile Mühe aufzustehen, geschweige denn, die einfachsten Aufgaben zu erledigen. Er bricht den Auslandsaufenthalt ab und fühlt sich als vollkommender Versager. Er denkt nach, er grübelt. Er weiß nicht, wie das alles passieren konnte. Er liest nicht mehr, er möchte nicht mehr aufwachen. Er meidet seine Freunde, er geht nicht ans Telefon. Er ist so verzweifelt, dass er Tränen vergießt, die ihn nicht mal erleichtern. Nach gut 6 Monaten fängt er sich wieder und ist zumindest 6 Monate lang wieder der lebenslustige Mensch, dessen Serotonin-Spiegel sich wieder normalisiert hat.
Ein sehr bekannter Fußballspieler hat sehr hohe Ansprüche, welche ihm schlimmste Versagensängste bescheren. Sein Kind stirbt, im Profi-Bereich läuft es nicht so, wie es seinen, viel zu hohen, nahezu perfektionistischen Ansprüchen entsprechen würde. Er hätte dieses Jahr in Südafrika der Torwart der deutschen Nationalmannschaft sein können. Seine Frau dachte, mit Liebe könnte man dieser potentiell tödlichen Krankheit Herr werden. Doch wenn sich ein so erfolgreicher Mensch vor den Zug schmeißt, hat er für eine Sekunde vergessen, dass es sich nur um einen depressiven Schub handelt. Er hat es nicht mehr ausgehalten. Er musste so schnell wie möglich weg aus dieser tristen Welt. Die bio-chemischen Vorgänge in seinem Gehirn lassen ihn denken, dass es nie wieder gut wird. Das es keine Hoffnung mehr gibt. Es gibt einen riesigen Medienrummel. Dieser ist wieder vorbei.
Auch wenn Xavier Naidoo’s Bruder nicht an einer der genannten psychischen Krankheiten zugrunde gegangen ist, bewegt mich der Song “Abschied Nehmen” immer wieder auf’s Neue, da die Lyrics meiner Meinung nach ebenso auf einen Selbstmord aufgrund von Depressionen schließen lassen könnten: