Julia: Braucht die Welt solche Dinge wie Twitter? Sascha Lobo: Ja, weil…

 

Eine Freundin hat auf der komischer-typ.de Facebook Page die Frage in den virtuellen Raum gestellt, wieso sie überhaupt Twitter nutzen sollte und repräsentiert damit leider (oder Gott sei Dank?) einen großen Teil meines nicht ganz so nerdigen Freundeskreises. Also…

Wie erklärt man seinen Freunden die Mehrwerte von Microblogging und co.?

Eigentlich hatte ich über diese “Problematik” immer mal wieder einen längeren Artikel verfassen wollen, die sozial-mediale 1:n Kommunikation hat mir dies jedoch erst einmal abgenommen. Erfreulicherweise war n in diesem Falle kein geringerer als Sascha Lobo.

Dieser hat nämlich freundlicherweise eine sehr ausführliche, geistreiche und nichtsdestrotz verständliche Antwort gegeben auf die Frage:

Braucht die Welt solche Dinge wie Twitter?

Wie erwähnt ist der Original-Thread auf der Facebook-Page zu finden, jedoch fand ich, dass die Antwort trotz informationaller Redundanz auch hier ihren Platz verdient hat. Hier nun also Frage und Antwort:

Julia: “Braucht die Welt solche Dinge wie Twitter?”

Twitter und auch der Buschfunk im StudiVz erscheinen mir nur als Medium über das Leute ihre unterdrückten exhibitionistischen Neigungen ausleben können und ich den ganzen Tag mit Informationen gefüttert werde, die mich doch eigentlich gar nicht interessieren.

Ich frage mich: Warum wollen Leute der Welt mitteilen, dass die Tomatensauße auf den Nudeln versalzen war oder sie grün gelb geringelte Zehensocken tragen?

Auf der anderen Seite: Wer schützt denn eigentlich den Schreiber, vor allem wenn er minderjährig ist? Oder den über den vielleicht geschrieben wird? Die Palette für Missbrauch erscheint mir riesengroß und es drängt sich mir nach wie vor die Frage auf: Will ich eine Welt, die so klein ist, dass ich über jeden Schritt des anderen bescheid weiß? Können die sicher vorhandenen Vorteile die Nachteile aufwiegen oder sehe ich das zu eng?

Kann mir jemand Twitter und Co. näher bringen?

Saschas Antwort

Ich tue mal so, als hättest du eine unvoreingenommene Frage gestellt (“Wer braucht Twitter?”) und nicht schon deine Wunschantwort in die Fragestellung eingebaut.

Zunächst: bei neuen kulturtechnologischen Entwicklungen ist die Frage “Wer braucht das?” interessanterweise keine, die man stellen muss. Denn in aller Regel ist allein schon die Tatsache, dass man davon erfährt, ein Beweis, dass ausreichend viele Menschen diese Erfindung benutzen und auch noch darüber sprechen. Von den Dingen, die wirklich niemand braucht (auch die gibt es, keine Frage), erfährt man gar nicht erst. Sie interessieren keinen und werden deshalb auch nicht weitererzählt.

Twitter. Twitter ist der Vorbote des Real Time Webs, also Echtzeit-Netz, das in meinen Augen einen ähnlichen Impact haben wird wie das Social Web (und daran direkt angrenzt). Twitter gibt dir das Gefühl, live dabei zu sein bei dem, was im Netz passiert. Und da das Netz und die Kohlenstoffwelt immer stärker miteinander verschmelzen, hast du schnell das Gefühl (nur das Gefühl übrigens, stimmt in echt gar nicht, aber egal), überall auf der Welt, wo etwas passiert, einen privaten Sonderkorrespondenten zu haben. Einen Augenzeugen vor Ort.

Gleichzeitig ist Twitter eine Empfehlungsmaschine. Für alles. Die zehn interessantesten Links der letzten Wochen habe ich über Twitter bekommen, weil Twitter mir Interessantes präsentiert, ohne dass ich danach gesucht hätte. Dieses Prinzip, Serendipity genannt, ist einer der wichtigsten Treiber des Internet, nebenbei gesagt, und genau dafür ist Microblogging perfekt geeignet. Du stehst vor einem Strom aus tausenden Nachrichten, 90% sind egal, 9% sozial interessant und 1% sind für dich von wie auch immer gearteten inhaltlichem Wert.

Privat erfüllt Twitter das Bedürfnis nach Microkommunikation. Da ist es nicht anders als andere Kommunikation. Wenn du dich in deiner Frage lustig machst darüber, dass Menschen über versalzenes Essen sprechen – willkommen im Leben. Genau über soetwas reden Menschen den ganzen Tag. Manche sogar ausschließlich. Hör’ dir mal an, was in den Haushalten gesprochen wird, in den Geschäften, auf der Strasse, in den Kneipen. Kurz: Kommunikation, die so wirkt, als sei sie irrelevanter Quatsch – ist allgegenwärtig. Auf Twitter wie in der Kohlenstoffwelt. Das ist also kein Kriterium, Twitter abzulehnen, sondern höchstens ein Kriterium, um Menschen abzulehnen. Es handelt sich bei dieser Quatschkommunikation vermutlich um eine Mischung aus sozialer Interaktion und gegenseitiger Bestätigung, aber das führt etwas vom Weg weg.

Schließlich möchte ich dir ans Herz legen, nicht nur mit Twitter, sondern mit allen möglichen Entwicklungen unvoreingenommener umzugehen. Selbst auszuprobieren, auch die Untiefen mitzunehmen, dich sachkundig zu machen, selbst nachzuforschen. Dann kann man es immer noch ablehnen, es gibt ja keine Twitterpflicht. Aber so verächtlich, wie du gerade von Twitter gesprochen hast, reden andere von Facebook, dritte vom Internet, vierte vom Fernsehen und noch ganz andere von der westlichen Zivilisation. Ein Ablehnungsmuster also, das fast unabhängig ist vom Inhalt. Und schon deshalb hinterfragt gehört. Man möchte sich ja nicht von Mustern leiten lassen im Leben, ausser man arbeitet in der Modeindustrie.

Danke Julia.
Danke Sascha.
Danke Facebook.
Danke Social Media.

 
 

Zwei potentielle Twitter Features um den Noise zu reduzieren

 

Man kann Twitter zu vielerlei Zwecken nutzen. Einige nutzen es ganz “klassisch”, um mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben, indem sie ihnen mitteilen, was sie gerade so machen. Andere nutzen es für Marketing-Zwecke, wiederum andere weil sie witzig sein wollen oder gar poetisch.

Da ich Twitter primär als Informationsquelle nutze sowie als Plattform, auf der ich (hoffentlich) interessante Informationen teile, fände ich es klasse, wenn Twitter ein paar klitzekleine Features entwickeln würde, die den Noise reduzieren, welcher in den Timelines dieser Welt so herumgeistert.

Wenn ich gezielt nach Informationen suche, folge ich Twitter-Nutzern primär aufgrund der Themen, über die sie schreiben bzw. welche sie interessieren. Folglich möchte ich nicht unbedingt wissen, was der Typ, der über Enterprise 2.0 twittert, gerade für eine neue Frisur hat. Es sei denn die Frisur wäre eine Bild-Schlagzeile wert oder ich kenne den Typen halt im “echten Leben”.

Genauso geht es sicherlich vielen meiner Followers, wenn es um einige meiner Tweets geht.

Zwei Ideen für Twitter-Features, die diesen und anderen Noise reduzieren könnten, wären folgende:

Tweets in einer für meine Follower unverständlichen Sprache eliminieren

Deutsche Tweets mögen interessant oder hilfreich für meine deutschsprachigen Twitter Followers sein, ergeben jedoch keinerlei Sinn für diejenigen, die unserer komplizierten Sprache nicht mächtig sind. Statt diese also zu zwingen Deutsch zu lernen, hatte ich schon seit längerem die Idee, dass es doch klasse wäre, wenn Twitter Sprachen-Hashtags einführen würde.

Das könnte zum Beispiel wie folgt aussehen:

#de Moin, dieser Tweet ist deutschsprachig und wieso sollten Leute ihn lesen, wenn sie kein Deutsch können?!

Das #de-hashtag würde in diesem Falle für einen deutschsprachigen Tweet stehen. Twitter müsste nun nur noch die Option bieten in den Settings diejenigen Sprachen auszuwählen, derer man mächtig ist. So würden nur die Tweets in der Timeline angezeigt werden, die mit dem jeweiligen Sprach-Hashtag versehen sind.

Das würde nicht nur den Noise für Twitter-Nutzer reduzieren, welche nicht die Muttersprache der bi- bis multilingualen Twitterer verstehen, denen sie folgen, sondern könnte auch einen zweiten Account überflüssig machen.

So nutzt Nicole Simon beispielsweise einen englischsprachigen Haupt-Account sowie einen deutschsprachigen Twitter-Account. Ich hatte vor kurzem beschlossen, das ebenfalls so zu machen, habe mich nun aber doch entschieden, meinen eigentlichen Twitter-Account SMartens83 mit englischen als auch deutschen Tweets zu befeuern. Das ist für mich natürlich schlichtweg einfacher, erzeugt auf der anderen Seite leider Gottes natürlich ein gewisses Rauschen für diejenigen meiner Followers, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind.

Tweets nur an ausgewählte Listen senden

Dass Twitter Listen eingeführt hat, ist klasse. Aber wäre es nicht noch viel besser, wenn ich diejenigen Listen auswählen könnte, welche meine Tweets erreichen soll?

Ein paar Beispiele:

  • Ich habe eine Liste deutschsprachiger Twitter-Nutzer erstellt, welche über Social Media twittern. Wenn ich nun einen deutschsprachigen Link zum Thema Social Media mit meinen Followers teilen möchte, ergibt dieser für meine englischsprachigen Followers natürlich wenig Sinn. Also möchte ich diesen Tweet nur mit meinen deutschsprachigen Followers teilen, welche sich auch für Social Media interessieren!
  • Man hat eine Liste mit engen Freunden erstellt, also echten Freunden, nicht den MySpace Freunden, und möchte ihnen etwas persönliches mitteilen, was nicht für die ganze Timeline bestimmt ist, sondern eben nur für jene engeren Freunde.

Das sind diejenigen Features, die mir spontan einfallen, wenn es darum geht, den Noise für meine Followers zu reduzieren. Abgesehen davon, einfach mal sinnvolle Dinge zu twittern natürlich ;-)

Solltet ihr weitere Ideen haben oder einen Weg gefunden haben, die von mir erwähnten Ideen auch ohne ein neues Twitter-Feature zu realisieren, so teilt mir und der Welt es doch einfach auf Twitter oder hier in den Kommentaren mit.

 
 

SchuelerVZ: Was der Buschfunk-Schüler von heute so zwitschert

 

Bis vor zehn Minuten war mir gar nicht bewusst, dass auch Nutzer des SchuelerVZs ihre Buschfunknachrichten via Twitter publik machen können. Viele Schüler scheinen sich folgenden Hinweis dabei jedoch nicht wirklich zu Herzen genommen haben:

Überlegt euch vor dem Abgeben jeder einzelnen Statusmeldung genau, ob diese tatsächlich für immer der ganzen Welt zur Verfügung stehen soll!

Vielleicht sollte PR-Blogger Klaus Eck auch Kinder und Jugendliche beraten, denn die Bandbreite von dem was da an die Öffentlichkeit gelangt, reicht von unfreiwllig komisch über beleidigend bis hin zu vermeintlich kleinkriminellen Absichten.

SchuelerVZ Buschfunk on Twitter – Schmankerl und Bedenkliches

Fangen wir mal an mit dem vermeintlich “Kleinkriminellen”, dem Robin Hood unter den SchuelerVZlern, welcher anscheinend irgendwie an die bevorstehende Bio-Arbeit rangekommen ist und seinen Mitschülern großzügig eine Kopie anbietet:

RealNudeDude nimmt das gute alte “What are you doing” immerhin wörtlich und ergänzt es um ein gekonntes “How does it smell?”:

Interessant ist auch, dass der Buschfunk im SchuelerVZ in hohem Maße für Dialoge genutzt zu werden scheint. Ist doch schön, wenn die Kids sich unterhalten, möge man denken. Was da aber teilweise vom Stapel gelassen wird, ist wirklich sehr bedenklich und kann durchaus als Cyber-Mobbing bezeichnet werden:

Es geht Gott sei Dank allerdings auch harmloser:

Vielen Schülern scheint nicht bewusst zu sein, dass nun auch ihre Lehrer und Eltern mitlesen könn(t)en. Das könnte unter anderem daran liegen, dass einige wohl vergessen haben, dass sie ihren Buschfunk für Twitter freigegeben haben:

Fazit: Sascha Lobo hat Recht, indem er Interneterziehung als Schulfach fordert.