Bye Bye Blogging Break – Paradigmenwechsel

 

Wie angekündigt habe ich nunmehr tatsächlich über fünf Wochen die Finger vom Bloggen gelassen.

Dieser erste Post nach der Abstinenz soll ein wenig mehr beinhalten als das vermeintliche “Moin, da bin ich wieder.”
Ich möchte etwas teilen, was mich sehr beeindruckt hat, als ich es vor gut zwei Jahren in Stephen R. Coveys ‘Die 7 Wege zur Effektivität’ gelesen habe:

Die Macht eines Paradigmenwechsels

Der Autor erlebte folgende Situation in der New Yorker U-Bahn:

Die Passagiere saßen still da, manche lasen Zeitung, andere waren in Gedanken versunken, einige hatten die Augen geschlossen und ruhten sich aus. Es war eine ruhige, friedliche Szene.

Dann stieg ein Mann mit seinen Kindern ein. Die Kleinen waren laut und ungestüm, die ganze Stimmung änderte sich abrupt. Der Mann setzte sich neben mich und machte die Augen zu. Er nahm die Situation offenbar überhaupt nicht wahr. Die Kinder schrien herum, warfen Sachen hin und her, zerrten sogar an den Zeitungen der anderen Fahrgäste. Sie waren sehr störend. Aber der Mann neben mir unternahm nichts.

Es war sehr schwierig, nicht davon irritiert zu sein. Ich konnte nicht fassen, dass er so teilnahmslos war, dass er seine Kinder dermaßen herumtoben ließ und nichts dagegen tat, überhaupt keine Verantwortung übernahm. Es war deutlich, dass sich auch alle andere in der U-Bahn ärgerten. Mit aus meiner Sicht ungewöhnlicher Geduld und Zurückhaltung sprach ich ihn schließlich an:

“Ihre Kinder stören wirklich sehr viele Leute hier. Könnten Sie sie nicht vielleicht etwas mehr unter Kontrolle bringen?”

Der Mann hob die Augen, als ob er sich zum ersten Mal der Situation bewusst würde, und sagte leise:

“Oh, Sie haben Recht, ich sollte etwas dagegen tun. Wir kommen gerade aus dem Krankenhaus, wo ihre Mutter vor einer Stunde gestorben ist. Ich weiß nicht, was ich denken soll, und die Kinder haben vermutlich auch keine Ahnung, wie sie damit umgehen sollen.”

Diese Information änderte die Situation schlagartig, der Autor erlebte einen Paradigmenwechsel.

Viele Menschen kennen den Kontext, in den ein Handeln gebettet ist nicht, oder haben zu wenig Informationen, um eine Situation zu beurteilen. Und erlauben sich trotzdem ihr Urteil. Auch wenn es sich um eine Binsenweisheit handelt:

Der erste Eindruck ist nicht immer der richtige, Folks.


 
 

Werder Bremen – Valencia | Fußball und das Phänomen der Masse aus Ostkurvensicht

 

Die Masse entsteht aus einer Menge (ev. auch Gruppe), wenn, manchmal nur vorübergehend, ein zentrales Ereignis, eine Leidenschaft, eine Erregung, eine Hoffnung, ein Augenblicksziel oder eine Führerfigur in den Mittelpunkt geraten und somit unter bestimmten, zeitlich bedingten gefühlsmäßig gebundenen Vorraussetzungen temporäre Übereinstimmung in Fühlen und Handeln entsteht. Sie erscheint als ruhende oder als aktive Masse und weist folgende Merkmale auf:

  • Anonymität: Individuelle Verhaltensweisen verflüchtigen sich zugunsten übereingestimmten, trieb- und instinktgesteuerten Handelns im Banne der Leidenschaften. Damit verbunden ist ein subjektiv so empfundenes Schwinden der persönlichen Verantwortung, sodass in der Masse Dinge getan werden, zu denen ein Einzelner nie imstande wäre.
  • Fokussierung: Die Masse ist auf eine Führerfigur oder ein Leitereignis (zB Unfall, Fußballmatch, Popkonzert) hin zentriert.
  • Organisationsniveau: Das Niveau der psychischen Organisation ist niedrig. Die Beziehungen der Mitglieder der Masse, die einander nicht bekannt sein müssen, sind primitiv. Im Gegensatz zur Menge haben alle dasselbe Ziel. Die einzige Gliederung ist die zwischen Führer und Geführten.
  • Affektlastigkeit: Vernunft und Intelligenz treten zugunsten der Affekte zurück, die Masse ist daher gefühls-, nicht vernunftgesteuert. Sie erlebt den “heiligen Schauer” (Begeisterung, Enthusiasmus), wenn zB in einem Stadion 60000 Menschen singen.) Hemmungen, die in der Kleingruppe wirksam sind, fallen dabei weg.
  • Suggestion: Die Masse ist der Suggestion (s. o., Methoden: Repetition = Wiederholung, Persuasion = Überredung, Frappierung = Überrumpelung, Konformierung = Gleichschaltung, Symbolisation = Sinnbildwirkung, Repudiation = Nichtanerkennung, Zurückweisung, ironische Gegensuggestion) leicht zugänglich. (Das Gemeinschaftsgefühl wird dabei oft durch geschickte Wahl von Symbolen und Beeinflussungsmittel, zB Massenmedien, geschürt – vgl. NS-Zeit.) = Suggestibilität, vgl. auch Trance-Tänze. Die Indoktrinierbarkeit (laut LORENZ die siebente der Acht Todsünden der zivilisierten Menschheit) ist hoch.
  • Identifikationsneigung: Es besteht eine hohe Bereitschaft zur Identifikation miteinander bzw. mit einem Anführer.
  • Repertoire der Verhaltensformen: ist in der Masse stark begrenzt (s. o. Anonymität; Organisiertes Aufstellen, zB im Stadion; Bei-, Missfallenskundgebungen wie Klatschen, Johlen, Pfeifen etc; ev. aggressives Verhalten, das durch Aufputschen verursacht wird usw.), wobei eine gewisse auf Steigerungsfaktoren (bis zur Ekstase) und – bei längerer Dauer – retardierenden Momenten beruhende Dramaturgie erkennbar wird. Das Vorherrschen von Affekten und Trieben führt zu…
  • Tumult: blindwütiger, durch eine Führerfigur lenkbarer Aufruhr der Masse, der sich wellenartig fortpflanzt oder verebbt, wenn kein belebender Widerstand die Tendenz zur Polarisierung und Konfrontation speist, und aufgestauten Aggressionen zum Durchbruch verhilft. (zB manche Demonstrationen; Europacupfinale im Brüsseler Heysel-Stadion 1985; Lynchjustiz etc.)
  • Panik: ist das Angstverhalten der Masse (meist sinnlose Flucht, zB bei Bränden), das unter Ausschaltung der Vernunft meist noch größeren Schaden verursacht (auch ohne objektive Bedrohung möglich, zB im Gedränge Berg Isel-Stadion 1999).
  • Massenpsychologie ist seit mehr als 100 Jahren das Thema zahlloser Autoren. Die Bevölkerungsexplosion in Europa (von 1800 bis 1941 von 178 Mill. Ew. auf 571 Mill.) hatte die Massenbildung und damit die Beobachtung der damit zusammenhängenden Phänome enorm gesteigert.

Quelle: Kompendium der Psychologie

P.S.: Forza SVW!